IT-Ausfallsicherheit durch Georedundanz: Warum der zweite Standort entscheidend ist
Es klingt wie die Szene aus einem Blockbuster: Ein Unwetter wütet, ein Brand bricht aus oder eine Naturkatastrophe trifft unerwartet ein. Solche Ereignisse wirken unwahrscheinlich – bis sie Realität werden. Genau das geschah 2021, als ein Brand im Rechenzentrum von OVH in Straßburg Tausende Server zerstörte und zahlreiche europäische Unternehmen lahmlegte. Kunden verloren Daten, Webseiten waren stunden- oder sogar tagelang nicht erreichbar.
Räumlich getrennte Standorte als Basis für hohe IT-Verfügbarkeit
Georedundanz bedeutet, dass Daten und IT-Systeme nicht nur an einem einzigen Standort gespeichert werden, sondern auf mehrere, geografisch getrennte Rechenzentren verteilt sind. Fällt ein Standort durch ein unvorhergesehenes Ereignis, sei es ein Brand, ein Stromausfall oder ein Cyberangriff, aus, übernimmt der zweite Standort automatisch den Betrieb.
Entscheidend für eine georedundante Infrastruktur ist die räumliche Trennung der Standorte. Das BSI empfiehlt für georedundante Rechenzentren einen Abstand von etwa 200 Kilometern, um das Risiko gemeinsamer Ausfälle durch regionale Ereignisse wie Hochwasser oder großflächige Stromausfälle zu reduzieren. Mit den Datacentern in Leipzig und Hannover und an Partnerstandorten ermöglicht envia TEL Unternehmen, ihre IT-Infrastruktur an zwei Standorten zu betreiben und geschäftskritische Systeme regional getrennt abzusichern.
Unternehmen profitieren durch Georedundanz insbesondere von folgenden Aspekten:
Minimierung von Ausfallrisiken: Geschäftskritische Systeme bleiben auch bei Standortausfällen verfügbar– mit klar planbaren Wiederanlaufzeiten.
Sicherheit für Compliance und Regulierung: Anforderungen aus NIS2, KRITIS, DORA und internen Notfallkonzepten lassen sich nachweisbar erfüllen.
Schutz von Geschäft und Reputation: Weniger Downtime reduziert finanzielle Schäden und stärkt das Vertrauen von Kunden.
Zukunftssichere Skalierbarkeit: Georedundante Strukturen wachsen flexibel mit Datenmengen, Anwendungen und Sicherheitsanforderungen.
Technische Umsetzung über mehrere Rechenzentrumsstandorte
Die passende Georedundanz-Strategie hängt von den Anforderungen des Unternehmens ab. Entscheidend ist unter anderem die Kritikalität der Anwendungen, gewünschte Wiederanlaufzeiten, Datenvolumen, Latenzanforderungen und Budget. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Georedundanz umzusetzen:
Aktiv-Aktiv-Betrieb: Beide Standorte sind gleichzeitig in Betrieb und teilen sich Lasten. Das ermöglicht eine sehr hohe Verfügbarkeit, stellt aber hohe Anforderungen an Synchronisation, Netzanbindung und Betriebsprozesse.
Aktiv-Passiv-Betrieb: Ein Standort ist produktiv, der zweite Standort steht für den Notfall bereit. Daten werden regelmäßig oder kontinuierlich repliziert, damit im Ernstfall ein Wechsel möglich ist.
Hybrider Ansatz (Near-Sync): Je nach Anwendung können verschiedene Betriebsmodelle miteinander kombiniert werden. Kritische Systeme werden beispielsweise nahezu in Echtzeit synchronisiert, wobei der Zeitversatz bis zu etwa 20 Sekunden betragen kann. Weniger zeitkritische Daten können zeitversetzt übertragen werden. So entsteht eine Lösung, die technische Anforderungen und Wirtschaftlichkeit sinnvoll verbindet.
Regulatorische Anforderungen und zertifizierte Rechenzentrumsstandards
Mit gesetzlichen Vorgaben wie KRITIS, NIS2 und DORA steigen die Anforderungen an IT-Sicherheit, Ausfallsicherheit und digitale Resilienz. KRITIS betrifft insbesondere Betreiber kritischer Infrastrukturen, während NIS2 die Cybersicherheitsanforderungen für viele Unternehmen in der EU erweitert. DORA hingegen regelt auf EU-Ebene die Anforderungen an Cybersicherheit, IT-Stabilität und digitale Widerstandsfähigkeit im Finanzsektor.
Aufgrund dieser Vorgaben müssen betroffene Unternehmen nachweisen können, dass ihre kritischen Systeme geschützt, verfügbar und bei einem Störfall wiederherstellbar sind. Georedundanz ist dafür ein wichtiger Baustein: Durch die Verteilung von IT-Systemen auf räumlich getrennte Rechenzentren lassen sich Ausfallrisiken reduzieren und Notfallkonzepte zuverlässiger aufstellen. Besonders für Betreiber kritischer Infrastrukturen sowie Unternehmen mit hohen Compliance-Anforderungen wird eine widerstandsfähige IT-Architektur damit zunehmend zur Voraussetzung, um gesetzliche Vorgaben zu erfüllen und die Geschäftskontinuität sicherzustellen.
Mit den Datacentern in Leipzig und Hannover sowie weiteren Standorten in ganz Deutschland, die über Partner erreicht werden, ermöglicht envia TEL den Aufbau georedundanter IT-Strukturen an getrennten Standorten. Die Rechenzentren sind unter anderem nach ISO 27001 für Informationssicherheit, ISO 9001 für Qualitätsmanagement, ISO 50001 für Energiemanagement sowie rechenzentrumsspezifischen Standards wie EN 50600, ISO/IEC 22237 und TSI.STANDARD zertifiziert. Sie erfüllen damit zentrale Anforderungen an Informationssicherheit, Qualität, Energieeffizienz und den Rechenzentrumsbetrieb.
Praxisbeispiel: ACS Solutions GmbH als Partner für georedundante IT-Strukturen
envia TEL schafft mit den Datacentern in Leipzig und Hannover sowie an Partnerstandorten die infrastrukturelle Grundlage für georedundante IT-Konzepte. Unternehmen können ihre Server, Daten und Anwendungen an zwei räumlich getrennten Standorten in Deutschland betreiben und ihre IT damit gezielt gegen Standortausfälle absichern.
Als langjähriger Kunde der envia TEL nutzt die ACS Solutions GmbH in den Datacentern Leipzig und Hannover mehrere Technikschränke und Racks. Auf dieser Infrastruktur betreibt sie eine hyperkonvergente Infrastruktur, kurz HCI, auf der Kundensysteme bereitgestellt und standortübergreifend abgesichert werden können. Als Partner begleitet die ACS Solutions GmbH Unternehmen nicht nur bei der Nutzung der Datacenter-Infrastruktur, sondern übernimmt auch die technische Konzeption und Umsetzung georedundanter IT-Strukturen. Die Infrastruktur wird dabei auf die Anforderungen des jeweiligen Kunden zugeschnitten, von der Analyse über die Migration bis hin zum produktiven Betrieb.
Technische Umsetzung
Die Umsetzung beginnt mit einer Analyse der individuellen Anforderungen. Gemeinsam mit dem Kunden werden Verfügbarkeits- und Recovery-Ziele definiert, darunter das Recovery Point Objective (RPO) für den maximal akzeptablen Datenverlust sowie das Recovery Time Objective (RTO) für die gewünschte Wiederherstellungszeit nach einem Ausfall. Auch kritische Systeme und relevante Compliance-Vorgaben werden dabei definiert. Darauf aufbauend erfolgt die Implementierung von Georedundanz: von der initialen Analyse über die technische Konzeption und Migration bis zum produktiven Betrieb. Auch Monitoring und Betrieb der Infrastruktur werden über beide Standorte hinweg betrachtet.
Ein wichtiger Bestandteil sind zudem klar definierte Failover- und Restore-Szenarien. Unternehmen wissen dadurch, welche Systeme im Störfall priorisiert wiederhergestellt werden, wie der Wechsel auf den zweiten Standort erfolgt und welche Wiederanlaufzeiten realistisch sind. Ergänzend können zusätzliche Sicherheitsmechanismen wie isolierte Backup-Umgebungen oder Immutable Backups eingebunden werden, um Daten noch besser gegen Manipulation oder Verlust abzusichern.
Neben Leipzig und Hannover können je nach Konzept und Kundenanforderung auch weitere Datacenter-Partnerstandorte eingebunden werden. So entsteht eine flexible Grundlage für unterschiedliche Anforderungen an Verfügbarkeit, Sicherheit, Compliance und Skalierbarkeit.
Kostenfaktor
Die Nachfrage nach georedundanten Lösungen ist vorhanden. Gleichzeitig schrecken viele Unternehmen vor den höheren Kosten zurück. Der Grund: Für echte Georedundanz müssen viele Komponenten doppelt oder zusätzlich bereitgestellt werden. Hinzu kommen Aufwände für Analyse, Konzeption, Migration, Tests, Dokumentation und laufende Administration. Georedundanz bedeutet daher nicht nur zusätzliche Technik, sondern auch mehr Betriebsaufwand.
Für Unternehmen mit kritischen Prozessen, hohen Sicherheitsanforderungen oder regulatorischen Vorgaben kann sich dieser Aufwand jedoch klar rechtfertigen. Denn hohe Verfügbarkeit hat ihren Preis, reduziert im Ernstfall aber Risiken für Geschäftsbetrieb, Daten, Kunden und Reputation.
Gemeinsamer Mehrwert
Die Kombination aus den Datacenter-Standorten der envia TEL und der HCI-Plattform der ACS Solutions GmbH verbindet Infrastruktur und Umsetzung in einem abgestimmten Gesamtkonzept. envia TEL stellt die Rechenzentruminfrastruktur bereit. ACS Solutions GmbH übernimmt die technische Konzeption, Migration und den Betrieb der georedundanten Kundenumgebungen.
Unternehmen profitieren von einer höheren Ausfallsicherheit für geschäftskritische Systeme, ohne selbst eine vollständige Infrastruktur an mehreren Rechenzentrumsstandorten aufbauen und betreiben zu müssen. Gleichzeitig lassen sich IT-Ressourcen durch die HCI-Plattform schnell bereitstellen und flexibel erweitern. Damit unterstützt die gemeinsame Lösung Unternehmen bei zentralen Anforderungen an Verfügbarkeit, digitale Resilienz, Compliance und IT-Sicherheit.
Fazit: Zwei Standorte schaffen mehr Sicherheit für geschäftskritische IT
Georedundanz ist keine reine Zusatzoption, sondern eine strategische Entscheidung. Unternehmen, die ihre Systeme nur an einem Standort betreiben, gehen ein vermeidbares Risiko ein. Wer Daten und Anwendungen räumlich getrennt absichert, kann Ausfallzeiten reduzieren, Wiederherstellungsprozesse verbessern und die eigene digitale Widerstandsfähigkeit erhöhen.
Die Datacenter in Leipzig und Hannover sowie Partnerstandorte bieten dafür eine starke Grundlage: räumlich getrennte Standorte in Deutschland, zertifizierte Rechenzentrumsinfrastruktur, leistungsfähige Netzanbindungen und Erfahrung im Betrieb geschäftskritischer IT-Umgebungen. So können Unternehmen ihre IT nicht nur sicher unterbringen, sondern zukunftsfähig und resilient aufstellen.
Autor: Sandra Warg Produktmanagerin Datacenter bei envia TEL #DatacenterEnthusiast #DigitalTransformation #CloudConnect