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envia TEL Blog

Besser Vorsorge als Nachsicht! Der richtige Brandschutz für Ihren Serverraum.

Stickstoffbasiertes Löschkonzept des Datacenter Leipzig der envia TEL

Ein Brand im Serverraum oder Rechenzentrum bringt verheerende Folgen für das betroffene Unternehmen mit sich. Serverräume sind für Unternehmen ein wesentlicher Bestandteil. Um die Geschäftsprozesse aufrecht zu erhalten, sollte die IT-Infrastruktur stets vor allen Gefahren geschützt werden.

In Serverräumen verstecken sich einige Quellen der Brandgefahr. Überladen die elektrischen Anschlüsse, kommt es schnell zu einem Kurzschluss. Außerdem kann Überhitzung der Elektronik einen Brand auslösen. Doppelböden sind praktisch, um die Kabel darin zu verlegen. Hierbei muss streng auf eine ordnungsgemäße Verkabelung geachtet werden, sonst besteht Entzündungsgefahr. Für die empfindliche Technik in Serverräumen brauchen Unternehmen entsprechenden Brandschutz. Wir klären auf, was alles zu beachten ist und welche gesetzlichen Vorgaben erfüllt werden müssen. 

Fatale Feuerschäden

Jedes Unternehmen kann von einem Brand im Serverraum betroffen sein. Brandschutzmaßnahmen schützen nicht nur die IT-Hardware, sondern den gesamten Geschäftsprozess. Selbst wenn im Brandfall das Feuer schnell unter Kontrolle gebracht werden kann, entstehen durch Rauch-Chemikalien und hohe Temperaturen erhebliche Schäden. Diesen Schaden zu reparieren ist sehr kostenintensiv und gegebenenfalls müssen technische Geräte ersetzt werden. Sind die Server erstmal beschädigt, können Datenverluste und eine eventuelle Handlungsunfähigkeit des Unternehmens drohen. Bis die IT-Infrastruktur dann wieder aufgebaut ist, sind Unternehmen in ihren Geschäftsabläufen beeinträchtigt. Die Folge kann ein Reputationsverlust sein. 

Die finanziellen Folgen von Geschäftsausfällen müssen einkalkuliert werden. Erst im Januar diesen Jahres brannte es in einem Serverraum eines Unternehmens. „Glück im Unglück“, Personen wurden nicht verletzt, aber es entstand ein Sachschaden von etwa 30.000 Euro. Brände in Serverräumen verursachen schnell Schäden von mehreren Hundert-Tausend-Euro. Im Ernstfall steht das Menschenleben an erster Stelle. Während der Löscharbeiten werden die Einsatzkräfte der Feuerwehr in der Regel keine Rücksicht auf die IT-Systeme nehmen. Für Unternehmen ist es unverzichtbar sich mittels Brandschutzvorsorge vor schwerwiegenden Verlusten durch Feuer zu schützen.

 

Gesetzliche Brandschutzvorschriften

Um den Schutz der Daten zu gewährleisten greifen elementare Vorschriften, welche jedes Unternehmen berücksichtigen sollte:

Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)
Diese garantiert Sicherheit bei der Verwendung von Arbeitsmitteln. Betroffen sind hier Arbeitsmittel als solches, aber auch die Arbeitsumgebung und Gegenstände, die mit anderen Arbeitsmitteln bearbeitet werden. 
VDGUV Vorschrift 3 Elektrische Anlagen und Betriebsmittel
Alle verwendeten elektrischen Betriebsmittel und Gegenstände zum Verarbeiten von Informationen unterliegen den Anforderungen der DGUV (Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung) Vorschrift 3.
Normgerechte Ausstattung nach den Richtlinien der europäischen Feuersicherheitsnorm DIN EN 1047 – 2, beziehungsweise der DIN 18082
DIN EN 1047 – 2 beschreibt eine Prüfung vor externen Brandeinwirkungen, beispielsweise ist die maximale Temperatur nach einem Brand festgelegt. Feuerschutzabschlüsse wie beispielsweise Türen unterliegen den Anforderungen der DIN 18982. 
Feuerwiderstandsklasse F 90 nach DIN 4102
Die nationale Brandschutznorm DIN 4102 beinhaltet Feuerwiderstandsklassen, F 90 garantiert eine 90-minütige Stabilität der Baustoffe, ehe diese sich entzünden.
Belastbarkeit der Böden nach DIN 1055
Insbesondere bei doppelten Böden muss eine Belastbarkeit von 5,0 kN/m² nach DIN 1055 garantiert werden. 
Einbruchssicherheit nach DIN EN 1627
Bauteile wie Türen und Fenster werden in abgestufte Widerstandsklassen unterteilt. Der Zugriffsschutz ist mindestens nach RC 3 empfehlenswert. 
Rauchschutztüren nach DIN 18095
Selbstständiges Schließen und Rauchabdichtung von Rauchschutztüren sind nach DIN 18095 geregelt.
Regionale Brandschutzvorgaben und Bauordnungen sind zusätzlich zu beachten.

 

Ebenen des Brandschutzes

Der Brandschutz gliedert sich in drei Ebenen: die baulichen, die organisatorischen und die betrieblichen Maßnahmen:


1. Bauliche Brandschutzmaßnahmen und Brandlastreduzierung

Beim Bau der Serverräume sind Brandschutzmaßnahmen zu treffen. Im ersten Schritt betrifft das die Baumaterialen. Wände, Türen, eventuelle Fenster, sowie Decken und Böden sind nach der DIN 4102 Norm anzufertigen. Das entspricht der Feuerwiderstandsklasse F 90. Das bedeutet, das Baumaterial hält mindestens 90 Minuten dem Feuer stand, ehe es sich entzündet. Folgend wird erklärt, was Unternehmen zusätzlich bei der Wahl der einzelnen Raumkomponenten beachten sollten:

  • Raumdecken im Serverraum sollten aus Stahlbeton sein. Diese Raumdecken sollten mit Isoliermaterial oder Stahlblech verblendet werden.
    • DIN EN 1047 – 2
    • F 90 nach DIN 4102
  • Wände dürfen nicht aus Baumaterialien bestehen, die kristallines Wasser gebunden haben. Beton-, Mauer- oder Rigips-Wände geben im Falle eines Feuers Wasserdampf ab. Dieser führt zu irreparablen Schäden an den technischen Geräten.
    • DIN EN 1047 – 2
  • Die Böden in Serverräumen sind baulich mit einem Doppelboden zu erweitern. Dabei besteht der „eigentliche“ bauliche Boden aus Stahlbeton. Der Doppelboden muss aus nicht brennbaren Materialien (Baustoffklasse A) angefertigt werden. Zusätzlich ist die Verwendung eines staubbindenden Schutzanstriches empfehlenswert. Abhängig von der Größe des Raumes muss eine angepasste Belastbarkeit gewährleistet sein. Ein doppelter Boden bietet Platz, um Kabel zu verlegen. Die Kabel müssen einen vorschriftsmäßigen Abstand zueinander haben.
    • DIN EN 1047 – 2
    • F 90 nach DIN 4102
    • DIN 1055
  • Türen sollten mit automatischen Schließsystemen ausgestattet sein, welche im Optimalfall mit Branddetektoren verbunden sind. Dadurch ist das automatische Schließen der Türen bei Feuer gewährsleistet. Türen zu Serverräumen sollten in jedem Fall wasser- und rauchdicht sein. Um darüber hinaus Schutz zu gewährleisten ist ein Zugangskontrollsystem empfehlenswert.
    • DIN EN 1047 – 2
    • F 90 nach DIN 4102
    • DIN EN 1627
    • DIN 18095
  • Brandlasten – Das Risiko für die sensiblen technischen Geräte ist hoch, deshalb soll in Serverräumen unbedingt auf Wasser- oder Gasleitungen verzichtet werden. Vermieden werden sollten zusätzliche Brandlasten, wie beispielsweise alte Kartons oder ungenutzte technische Geräte, im Serverraum. Jedes weitere abgestellte Objekt erhöht die Brandgefahr in der Server-Anlage. Potenzieller Brennstoff sind auch Ansammlungen von Staub und Schmutz. Diese können zu Überhitzung der Anlagen und Störungen führen. Weiterhin sind Serverräume in regelmäßigen Abständen zu reinigen und ordentlich zu halten.
    • Keine Wasser- oder Gasleitungen
    • Regelmäßige Reinigung
    • Entfernen von ungenutzten Gegenständen 
  • Sauerstoffreduktionsanlage – Die Konzentration und Verfügbarkeit von Sauerstoff steht in direktem Zusammenhang mit der Brennbarkeit von Feststoffen. Ist zu wenig Sauerstoff in der Luft enthalten, reicht dieser für Entstehung eines Feuers nicht aus. Um eine Brandentstehung zu vermeiden wird die Sauerstoffkonzentration geregelt und stets kontrolliert. Durch das Einleiten von Gasen wie Stickstoff oder Kohlendioxid lässt sich die Sauerstoffkonzentration unter einen bestimmten Schwellenwert korrigieren.  Mit der Sauerstoffreduktionsanlage wird der Sauerstoffgehalt im Datacenter konstant bei 17 Volumenprozent gehalten und so die Entstehung eines Brandes verhindert. Es ist empfehlenswert Stickstoff zu verwenden, da dieser Bestandteil der Atemluft ist und nicht toxisch wirkt. Viele professionelle Datacenter verfügen über solch eine Sauerstoffreduktionsanlage, somit sind im Ernstfall alle Server und Daten bestens abgesichert und vor Feuer-Gefahren geschützt. 


2. Organisatorische Brandschutzmaßnahmen

Organisatorischer Brandschutz umfasst Verhaltensregeln in den Räumlichkeiten der Server. Mitarbeiter müssen entsprechend geschult und auf Gefahren sensibilisiert werden. Empfehlenswert ist es die Brandschutz-Regeln und Maßnahmen für alle Mitarbeiter zugänglich auszuhängen. Die Einhaltung dieser Vorschriften gilt es zu überwachen. Wie bei den gesetzlichen Vorschriften kann es hier bei Nichteinhaltung gegebenenfalls zu Problemen mit dem Versicherungsschutz kommen. Daher sollten bei Verstößen der Mitarbeiter Strafen ausgesprochen werden. 

  • Verhaltensregeln im Serverraum
Striktes Rauchverbot
Vermeidung von zusätzlichen Brandlasten, das heißt keine Lagerung brennbarer Materialien
Kein Offenhalten der Sicherheitstüren 
Kein eigenmächtiges Verstellen der Klimatisierung 

Keine Ablage von Gegenständen in Bereichen der Lüftungsanlage 

 

  • Brandschutz-Verantwortliche
    Das ist in der Regel der Geschäftsführer oder der Eigentümer des Unternehmens. Dieser befähigt die Leitung und Aufgaben des Brandschutzes an einen Brandschutz-Beauftragten zu delegieren. Insbesondere Unternehmen mit einer zentralen Bedeutung der IT-Infrastruktur sollten einen separaten Brandschutz-Beauftragten etablieren. 


3. Betriebliche Brandschutzmaßnahmen

Alle Brandschutzmaßnahmen in Serverräumen sollten an die Organisationsabläufe im Unternehmen angepasst werden. Es sind die Sicherheitsanforderungen des gesamten Gebäudes und aller Geschäftsprozesse zu beachten. Damit wird vermieden, dass für Server-räume separierte Einzellösungen entworfen werden. Ein, für den Serverraum isoliertes, Brandschutzkonzept bedeutet finanziellen Mehraufwand und kann im schlimmsten Fall Schäden im IT-Betrieb und im gesamten Unternehmen verursachen. Es ist essenziell, alle Bereiche des Unternehmens vor Feuer und Brandherden zu schützen und die Brandschutzkonzepte aufeinander abzustimmen.

Jedes Unternehmen, aber insbesondere IT-abhängige, sollte Alarmpläne für den Feuerfall vorbereiten. Die anfallenden Aufgaben in einem Brandfall müssen klar verteilt und strukturiert sein, so dass jeder Anwesende seinen Zuständigkeitsbereich kennt. Der Schutz des Menschenlebens ist als oberste Priorität zu wahren, daher ist im Notfall ein Evakuierungsplan von Nöten. Der Evakuierungsplan sowie Notausgänge müssen gut sichtbar zugängig sein, das spart Einsatzkräften im Notfall wertvolle Minuten. 

 

Die Wahl des Löschmittels

Damit die IT-Hardware nicht zusätzlich durch die Löschmethode unbrauchbar wird, ist die Wahl des Löschmittels zu beachten. Brandbekämpfung und Einsatz von Kohlenstoffdioxid zur Sauerstoffverdrängung sind nur in Sonderfällen empfehlenswert. Diese Mittel können Schäden durch Vereisungseffekte an der sensiblen Technik hervorrufen.

Um kostspielige Schäden an der Elektrik zu vermeiden eignet sich das Löschen mit Argon oder den Industriegasen FM 200 und NOVEC 1230:

  • Argon
    Sind im Serverraum doppelte Böden verbaut, eignet sich das Löschmittel Argon sehr gut, da das schwere Gas schnell den kompletten Raum erfüllt. Ebenso besteht durch diesen Löschvorgang keine Gefährdung der im Serverraum befindlichen technischen Geräte. Auch Personen werden durch das Edelgas Argon nicht geschädigt.
  • FM 200 und NOVEC 1230
    Ähnlich effizient und technikschonend ist der Einsatz von FM 200 und NOVEC 1230. Die maximale Flutungszeit beträgt etwa zehn Sekunden. Der Brand wird schnell eingedämmt und gelöscht. Auch hier besteht keine Personengefährdung, da die Gase unbedenklich sind. 

 

Fazit

Unabhängig von der Größe des Brandes, muss in jedem Brandfall die Feuerwehr automatisch verständigt werden. Die Vorgehensweise während eines Brandes ist hierbei essenziell für einen reibungslosen Ablauf mit der Versicherung. Insbesondere Serverräume stellen durch die sensible Technik eine große Brandgefahr dar und unterliegen daher strengen Vorschriften zum Schutz.

Optimale Brandschutzmaßnahmen und Vorkehrungen können einen großen finanziellen Aufwand bedeuten, das ist für kleine und mittelständische Unternehmen meist eine Herausforderung. Aber es gibt zum Glück auch kostengünstige Maßnahmen. Unumgänglich ist allerdings die Verwendung von Baumaterialien der Feuerwiderstandsklasse F 90. Keine Kosten verursachen hingegen die Entfernung von Brandlasten, wie leicht entflammbarer Objekte oder gelagerter technischer Geräte. Eine Entzündung von angesammeltem Staub und Schmutz kann durch regelmäßige Reinigung der Räumlichkeit verhindert werden.

Zu guter Letzt sollte das Brandschutzkonzept für den Serverraum in das Sicherheitskonzept des gesamten Unternehmens integriert werden. Für die Umsetzung des Brandschutzes kann gerne ein Experte zu Rate gezogen werden. Dieser analysiert das gesamte Unternehmen und passt die Brandschutzmaßnahmen an. Diese Investition wird sich auszahlen, denn kaum etwas ist schlimmer als unzureichend geplante Brandschutzmaßnahmen!

Sandra Warg Portrait

Autor: Sandra Warg
Produktmanagerin Datacenter bei envia TEL #DatacenterEnthusiast #DigitalTransformation #CloudConnect